Guerilla Music | San Cisco
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San Cisco

About This Project

Gracetown? San Cisco? Reichlich amerikanischer Großraum für Assoziationen! Aber San Cisco kommen aus einem kleinen Küstenort, einer beschaulichen Kleinstadt namens Fremantle im Schatten der glitzernden Wolkenkratzer von Perth, und sind von den angesagteren Teilen Aussielands durch tausende Kilometer rote Schotterstraßen getrennt. Gar nicht erst zu reden vom Rest der Welt. Wer deshalb aber glaubt, dass es der Band an Vision fehle und ihre Musik nur aus einfältigen Surf-Liedchen bestehe, in denen die vergänglichen Wonnen von Sonne, Sex und Wellenreiten besungen werden, ist schief gewickelt.

Während es genauso falsch wäre, zu behaupten, dass die unheilige Dreifaltigkeit aus Sonne, Sex und Surfspaß in ihren Songs nicht vorkomme, legen Jordi Davieson (Gesang), Josh Biondillo (Gitarre), Nick Gardner (Bass) und Scarlett Stevens (Schlagzeug) mit ihrem neuen Album Gracetown eine Platte vor, auf der sie klangtechnisch ganz neue Territorien erobern. So findet man bei einem Song wie „Snow“ eine tiefgründige, kühle Atmosphäre, während eine Nummer wie „Jealousy“ mit einer lockeren, funky Stimmung beeindruckt – alles Signale einer neuen Reife und Erfahrenheit.

Es sieht also ganz so aus, als würde die knallende Sonne in den Songs ihres ersten, selbstbetitelten Albums nun ein Stück weit gedeckteren Tönen weichen und somit Platz für eine eingehendere Erkundung des hormonellen Durcheinanders von postmodernen Geschlechterverhältnissen und Beziehungsmodellen schaffen. Kaum eine Band lotet den Schmerz, die Paranoia und den Hormonrausch junger Liebe besser aus. Gracetown zeigt San Cisco in der Adoleszenz, und dieses Erwachsenwerden ist zugleich unheimlich und großartig mit anzuhören.

 

San Cisco sind längst keine Newcomer mehr. Im Jahr 2012 wurde ihr Debütalbum global bejubelt. Seitdem sind sie mehrmals um die Welt getourt, spielten Headliner-Shows und traten bei Festivals wie Lollapalooza, Pukkelpop und Reading auf. Die Zeit on the road hat ihre Spuren im Sound der Band hinterlassen: die neue Intensität und Schärfe hat das Quartett mit unzähligen Katerfrühstücken und Flugmeilen sowie einer großen Portion Heimweh und Entwurzelung bezahlt.

Es war im Jahr 2011, als die Band erstmals mit betörend schönen und emotionalen Ohrwürmern wie dem Song „Awkward“ weltweite Anerkennung erntete und gleichermaßen den Nerv von Kritikern und Fans traf. Ihren Sound definierten San Cisco zu dieser Zeit als „knatschig-knackigen, runterreduzierten und kniffligen Indie“ – ein Bekenntnis zum eigenen Eklektizismus, mit dem die Band eindringliche Rickenbacker-Gitarren, markante Rhythmen und gefühlvollen Gesang kombinierte. Damals wie heute zieht die Gruppe ihre Inspiration aus Quellen, die abwegig erscheinen mögen. Gitarrist und Songwriter Josh zum Beispiel ist ein großer Liebhaber satirischer US-Zeichentrickserien wie The Simpsons und American Dad – und das hört man der Musik auch an. Das Resultat klingt wie eine in Noten gegossene Episode von Neighbours, geschrieben von den South Park-Erfindern: schrulliger Humor, absonderliches Begehren, knallige Farben und jede Menge Tanzbarkeit. Wenn die Originalmischung schon berauschend war, dann ist es das neue Album noch mehr.

 

Auf Gracetown haben San Cisco die Dienste ihres langjährigen Mitstreiters, Produzent Steven Schram, in Anspruch genommen, und die Präsenz des „fünften Beatle“ ist von Anfang an offenkundig. Schram ermutigte den Vierer dazu, neue Wege zu beschreiten und musikalisch unbekanntes Terrain zu erobern. Und damit wären wir schon beim Album an sich. „Gracetown ist ein kleines Küstendorf im Südwesten von Western Australia, in dem unsere Familien Ferienhäuser haben und in dem es ein jährliches Musikfestival gibt“, erklärt Josh in einem Skype-Interview mit knarzender Verbindung. Der Titel ist symbolisch, führen Josh und Jordi weiter aus, eine nostalgische Liebeserklärung an einen Rückzugsort der Kindheit – ein Ort, der an die Kinderbuchreihe Swallows and Amazons erinnert und einen Hedonismus heraufbeschwört, wie er im Video ihres sonnendurchfluteten Hits „Golden Revolver“ ihrer Debüt-LP gezeigt wird. Das neue Album wirkt künstlerisch noch befreiter: „Wir konnten tun und lassen, was wir wollten, und genau das haben wir auch getan.“

Diese Suche nach Authentizität und so etwas wie einer emotionalen Heimstätte ist auch in den Songtexten präsent. Jordi erklärt, dass die Lyrics in persönlichen Erfahrungen wurzeln, entweder in seinen eigenen oder in denen von Personen, die er genau beobachtet hat. „Songtexten muss eine gewisse Wahrheit innewohnen, andernfalls sind sie nichts weiter als ein Haufen Worte“, sagt er geradeheraus.

Bei der Frage nach ihren Einflüssen nennen San Cisco nicht etwa zeitgenössische Künstler, sondern Klassiker wie Isaac Hayes, The Turtles, The Beatles und Bob Dylan. „Wir mögen zeitlose Melodien und einen soliden Groove“, erklärt Josh. „Bisher haben wir selbst zwar noch keinen Evergreen geschrieben, aber wir kommen der Sache langsam näher.“ Das wachsende Interesse an klassischen Songstrukturen zeigt sich auch in der neuen Reife des Sounds, der aus Disco und Soul schöpft und sich bei Funk und Hip-Hop bedient, dabei aber trotzig und selbstbewusst auf eigenen Füßen steht.

 

Die Songs, die die Band einst mit jugendlichem Elan, frenetischen Tralala-Refrains und allerlei Geklimper füllte, sind jetzt sinnlich und weitläufig. Es herrscht eine zauberhafte Gelassenheit vor, und unter den Beats pulsiert eine geschmeidige Kraft. Besonders, wenn sich Jodis Stimme mit dem Organ der Schlagzeugerin Scarlett oder dem der Gastmusikerin Isabella Manfredi von The Preature vereint, offenbart sie sich als das, was sie immer versprochen hatte zu sein: eine der größten Soul-Stimmen aller Zeiten. Vor diesem Hintergrund mutet es paradox an, wenn der Sänger während des Interviews über seine Furcht spricht, dass die Quelle der weltweiten Kreativität eventuell bald versiegen könnte. „Die Melodien dieser Welt gehen langsam zur Neige“, sagt er und – um Himmels willen! – er sagt es mit einem Ernst, dass man meinen könnte, ein schwarzes Loch würde uns alle verschlingen, noch ehe das Gespräch endet.

Glücklicherweise widerlegt die Band derartige Befürchtungen durch einen mühelosen Umgang mit Melodien und Beats. Als Jordi wieder aufblickt, grinst er, und man merkt ihm an, dass er weder ein erfolgsverwöhnter Edelperformer noch der „Narziss“ ist, den die wachsende Berühmtheit seiner Band möglicherweise aus ihm machen könnte. „Wir schreiben nicht, um unsere eigenen musikalischen Fantasien auszuleben“, sagt er bestimmt. „Wir wollen uns mitteilen und Menschen berühren. Wir wollen großartigen Pop schreiben – dafür muss man sich nicht schämen. Wir wollen kein dreihundert Jahre altes Piano aufnehmen und es rückwärts durch einen Schuh abspielen, nur um ein Statement zu machen. Wir sind Entertainer, keine Künstler.“

 

Mit diesem Album im Gepäck ist die Band ganz sicher beides, und sowohl wir als auch sie selbst haben jeden Grund zur Freude auf die Dinge, die da kommen mögen.

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